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Freikörperkultur
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Als Freikörperkultur (FKK) bezeichnet man eine Kultur allgemeiner oder gemeinsamer Nacktheit der Menschen in Freizeit, Sport und Alltag. Inhaltlich weitgehend identisch sind die Begriffe Nacktkultur und Naturismus.

Die AnfĂ€nge der Freikörperkultur liegen im ausgehenden 19. Jahrhundert in Deutschland. „Nacktheit in der Freizeit“ ist unter den Begriffen „Naturismus“ und „FKK“ inzwischen international bekannt und verbreitet. In VerbĂ€nden, Vereinen und kommerziell erfolgen Organisation und Angebote. An offiziellen Textilfreien-, Nackt- und FKK-StrĂ€nden in zahlreichen LĂ€ndern Europas, in Nordamerika und Australien wird nackte Freizeit gelebt. Die grĂ¶ĂŸte Verbreitung findet sich im deutschsprachigen Raum, in Frankreich sowie in Skandinavien.

Contents

‱ Allgemein
‱ Definition
‱ Inhalte
‱ Geschichte
‱ Hintergrund
‱ Nacktsport
‱ Festivals
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Allgemein

Definition

Freikörperkultur bzw. Naturismus ist als Haltung und Lebensweise folgendermaßen definiert:

„Sie kommt zum Ausdruck in der gemeinschaftlichen Nacktheit, verbunden mit Selbstachtung, sowie Respektierung der Andersdenkenden und der Umwelt. Gemeinschaftliche Nacktheit ist ein essentielles Kennzeichen des Naturismus, der die Naturelemente Sonne, Luft und Wasser völlig auswertet. Der Naturismus stellt das physische und psychische Gleichgewicht wieder her, indem er Erholung in einer natĂŒrlichen Umgebung bringt, durch Bewegung und Respekt fĂŒr die Grundprinzipien von Gesundheits- und ErnĂ€hrungslehre. Der Naturismus fördert viele AktivitĂ€ten, die die KreativitĂ€t entwickeln. Völlige Nacktheit ist der geeignetste ‚Anzug‘, um eine RĂŒckkehr zur Natur zu verwirklichen, und ist mit Sicherheit der sichtbarste Aspekt des Naturismus, auch wenn sie nicht der einzige ist. Sie hat eine ausgleichende Wirkung auf Menschen, indem sie sie von Spannungen befreit, die durch Tabus und Provokationen der heutigen Gesellschaft verursacht sind, und den Weg zu einer einfacheren, gesĂŒnderen und menschlicheren Lebensweise zeigt.“

–

Definition der

Internationale Naturisten Föderation

(INF-FNI) vom Weltkongress auf

Cap d’Agde

, 1974.

Von dieser Definition losgelöste Nacktheit oder Nudismus haben von daher keinen Anspruch, als gelebte Freikörperkultur oder als Naturismus anerkannt zu werden. Der Anspruch der Naturisten geht weit ĂŒber Nudismus hinaus, denn dieser beschrĂ€nkt sich weitestgehend auf Nacktheit ohne Gemeinsamkeit und ohne Bezug zu den Werten der FKK.cite-ref-1[1]

Inhalte

In der Freikörperkulturbewegung gilt die Lebenseinstellung, nach welcher der nackte Körper kein Grund fĂŒr SchamgefĂŒhle ist. Die gemeinschaftlich praktizierte Nacktheit der Freikörperkultur wird in diesem Sinne oftmals als befreiend erlebt und geht mit gegenseitiger Akzeptanz und positivem Körperbild einher.cite-ref-west2018-2-0[2]cite-ref-3[3] Anliegen ist dabei die Freude am Erlebnis der Natur, am Nacktsein selbst oder die Realisierung von Freiheit. Die Nacktheit der Freikörperkultur steht dabei in keinem sexuellen Bezug.cite-ref-smith-4-0[4]cite-ref-5[5] Nacktheit am Strand und im Wasser geht im Vergleich zu Badebekleidung mit einer anderen OberflĂ€chensensibilitĂ€t einher, die meist als angenehm erlebt wird.cite-ref-6[6] Die im Sinne der FKK propagierte Nacktheit wird nicht als sexuell erlebt und steht in keinem unmittelbaren Zusammenhang zur SexualitĂ€t.

Im Rahmen der Freikörperkultur wird zumeist Baden, Sonnenbaden an Badeseen oder StrĂ€nden (den „FKK-StrĂ€nden“), Sport und sonstiges Freizeitleben nackt praktiziert. In zahlreichen Ferienanlagen, CampingplĂ€tzen und Anlagen von Sportvereinen gelten die Regeln der Freikörperkultur. In nationalen und internationalen FKK- oder NaturismusverbĂ€nden sind die FKK-AnhĂ€nger und Naturisten organisiert.cite-ref-g-rnicka-7-0[7]

Die Nacktheit in intimen Situationen, unter der Dusche oder in der Sauna gehören nicht zur Freikörperkultur. Diese Nacktheit setzt keinen besonderen Gruppenkonsens voraus.cite-ref-8[8]

Freikörperkultur, Naturismus, Nudismus

Die Begriffe Freikörperkultur und Naturismus bezeichnet einen Lebensstil, der eine Kultur der gegenseitigen RĂŒcksichtnahme und SolidaritĂ€t und ökologisches Engagement einschließt. In diesem Sinne steht der Naturismus in der Tradition der Lebensreform, auch wenn ihm asketische Tendenz (Verzicht auf Alkohol und Nikotin, Vegetarismus usw.) zunehmend abgehen. Der Nudismus dagegen bevorzugt eine Lebensgestaltung ohne Kleidung unabhĂ€ngig von weiteren positiven Zielen. Der Begriff Nudisten wird zuweilen abwertend gebraucht und ihr Nacktsein in die NĂ€he von Exhibitionismus gerĂŒckt. „Der teilweise Missbrauch des Begriffs ,FKK‘ zu pornografischen Zwecken – nicht zuletzt im Internet – hat dazu gefĂŒhrt, dass der Begriff des Naturismus auch in Deutschland den Begriff ,FKK‘ zunehmend ersetzt.“cite-ref-9[9]

Außerhalb des deutschen Sprachraums werden die Begriffe Nudismus fĂŒr Nacktkultur allgemein und Naturismus sowie FKK fĂŒr den oben definierten Lebensstil verwendet. In vielen LĂ€ndern Europas hat man allerdings das KĂŒrzel „FKK“ ĂŒbernommen, ohne sich ĂŒber die Inhalte im klaren zu sein. Diese AbkĂŒrzung im Zusammenhang mit Freikörperkultur oder Nacktsein bĂŒrgerte sich in den deutschen Sprachgebrauch erst seit Ende der 1960er-Jahre ein. HĂ€ufig wird im englischen Sprachraum die Bezeichnung „clothing optional“ (deutsch „Kleidung optional“) genutzt, um zu verdeutlichen, dass Nacktheit toleriert beziehungsweise explizit erlaubt ist. Im NiederlĂ€ndischen umfasst der Begriff „naaktrecreatie“ das Nacktsein im Sinne von Erholung, nahezu passend zum Nudismus.

FKK in Deutschland

Der Begriff Freikörperkultur umfasst im deutschsprachigen Raum heute verschiedene AusprĂ€gungen. Viele AnhĂ€nger beschrĂ€nken sich mit der AusĂŒbung auf Vereine, CampingplĂ€tze oder extra gekennzeichnete StrĂ€nde. Die AnhĂ€nger dieser Kultur heißen traditionell Naturisten oder FKK-ler. Ihr Lebensstil schließt viele Erscheinungsformen ein, z. B. Wandern, Radeln, Sport, Kanufahren in freier Natur, was gegenseitige Toleranz und RĂŒcksichtnahme voraussetzt und oft mit ökologischem Engagement verbunden wird. In diesem Sinne steht der Naturismus in der Tradition der Lebensreform, auch wenn ihm deren asketische Tendenz (Verzicht auf Alkohol und Nikotin, Vegetarismus, Freiwirtschaft usw.) heute meist abgeht.

Seit der weitgehenden Enttabuisierung der öffentlichen Nacktheit – in der Bundesrepublik Deutschland in den 1970er- und 1980er-Jahren – wird auf einen besonderen Begriff fĂŒr nackte Menschen zunehmend verzichtet. WĂ€hrend das Praktizieren der FKK in den 1950er-Jahren streng auf Vereinsebene reglementiert war, etablierte sich Anfang der 1970er-Jahre das freie („unorganisierte“) Nacktsein: Menschen waren ĂŒberall dort nackt, wo es nicht explizit verboten war, und in vielen öffentlichen SchwimmbĂ€dern wurden Nacktbadezeiten eingefĂŒhrt.

Die Bezeichnung Freikörperkultur ist erweitert aus Körperkultur, worunter Anfang des 20. Jahrhunderts die Hinwendung zum Körperlichen durch Sport, Wandern und andere Freizeitgestaltung in der Natur verstanden wurde. Dies galt als Gegenbewegung zu einem als „muffig“ empfundenen BĂŒrgertum und einer beengten, stĂ€dtischen Lebens- und Wohnsituation mit wenig Luft und Licht. Diese Bewegung mit bequemer und gesunder Kleidung vollzog dann zum Teil den Schritt zur Nacktheit und wĂ€hlte den Zusatz frei- zum Hauptbegriff Körperkultur. Der Begriff Freikörperkultur trat dann zunehmend an die Stelle des zunĂ€chst bevorzugten Begriffs „Nacktkultur“, der auf starke Tabuschranken stieß. Der Ausdruck FKK hat als Synonym fĂŒr nackt seit den 1970er-Jahren auch sonst in viele Wortschöpfungen Eingang gefunden, zum Beispiel in FKK-Baden fĂŒr Nacktbaden, FKK machen (oder 
 treiben) fĂŒr Nacktsein generell.

Auch im 21. Jahrhundert werden in Deutschland öffentliche Badestellen, die zum Nacktbaden vorgesehen sind, meist als „FKK-Strand“ oder „FKK-Badestelle“ bezeichnet, obwohl viele dort badende GĂ€ste keine besondere Kulturbewegung mit dem Baden ohne Bekleidung verbinden und sich aus unterschiedlichsten GrĂŒnden dort nackt erholen. So hat die Stadtverwaltung MĂŒnchen bei der Benennung ihrer Nacktbadebereiche die AbkĂŒrzung „FKK“ vermieden.cite-ref-10[10]

VerhÀltnis von FKK zur SexualitÀt

Im Gegensatz zum eigenen SelbstverstĂ€ndnis werden die Freikörperkultur und Nacktsein in der Öffentlichkeit in der Fremdwahrnehmung mitunter in die NĂ€he von Exhibitionismus und Voyeurismus gerĂŒckt. Dies findet seinen Ausdruck unter anderem darin, dass der – nicht geschĂŒtzte – Begriff fĂŒr kommerzielle Erotikangebote in Namensgebungen wie „FKK-Club“ Verwendung findet. Insgesamt scheint es fĂŒr Nicht-Nudisten ohne Erfahrungen und Kontakt zur Freikörperkultur oftmals schwer vorstellbar, Nacktheit außerhalb eines engen privaten Bereichs nicht automatisch mit SexualitĂ€t in Verbindung zu bringen.cite-ref-daley-11-0[11]cite-ref-smith-4-1[4]cite-ref-g-rnicka-7-1[7]

„Es gibt Saunaclubs oder Bordelle, die sich zwar als FKK-Saunaclubs bezeichnen, sich jedoch nur hinter dem Begriff FKK verstecken. Hier wird eine Idee oder Ideologie missbraucht.“

–

Annegret Staiger, Lehrbeauftragte fĂŒr Anthropologie an der Clarkson University

Diese Sichtweise grĂŒndet in der kulturell verankerten Annahme, dass die Nacktheit zwangslĂ€ufig sexuell ist. Die amerikanischen Psychologen Paul Bindrim und Leonard Blank waren mit die ersten, die sich mit der Beziehung zwischen sozialer Nacktheit und SexualitĂ€t befassten.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14] Sexuelle Erregung stellt fĂŒr sie eine gelernte Reaktion dar, die in der christlich-abendlĂ€ndischen Kultur mit Nacktheit assoziiert wird. Im Gegensatz zur Mainstream-Kultur ist Nacktheit im Rahmen der Freikörperkultur jedoch nicht sexuell und stellt somit keinen sexuellen Reiz per se dar.cite-ref-g-rnicka-7-2[7]cite-ref-holmes-15-0[15]

NatĂŒrliche Nacktheit

Der Naturismus betont eine hohe Verbundenheit mit der Natur; gemeinsam nackt sein in Natur und Freizeit ist Grundprinzip der Freikörperkultur.cite-ref-bellholliday-16-0[16]cite-ref-de-vries2018-17-0[17] Dem eigenen SelbstverstÀndnis nach ist die im Rahmen der Freikörperkultur praktizierte Nacktheit dem Prinzip nach nicht sexuell.cite-ref-holmes-15-1[15] Diese Haltung findet sich sowohl implizit als auch explizit in den Satzungen verschiedener naturistischer VerbÀnde und Vereine. So wird sexuelles Verhalten auf dem GelÀnde von FKK-Vereinen, SchwimmbÀdern oder CampingplÀtzen untersagt, an frei zugÀnglichen FKK-StrÀnden ist dies in der Regel verpönt.cite-ref-cooper-18-0[18]

Dieses SelbstverstĂ€ndnis ist historisch auf die AnfĂ€nge der FKK-Bewegung und deren Wurzeln in der Lebensreform des 19. Jahrhunderts zurĂŒckzufĂŒhren. Nacktheit, ebenso wie Veganismus, landwirtschaftliche Autarkie und Naturverbundenheit, ist hierbei als RĂŒckbesinnung zur Natur und als Abkehr vom degenerierten, urbanen Leben der Industriegesellschaft zu verstehen.cite-ref-19[19]

„Bei der naturalistischen Bewegung ging es nicht um die Sexualisierung des Körpers, sondern um Gesundheit und auch die Idee, die Menschen von der Scham zu befreien – sowie von sozialer Ungleichheit und den ungesunden Lebensbedingungen in ĂŒbervölkerten StĂ€dten wĂ€hrend der beginnenden Industrialisierung.“

–

Gleichwohl stand die Bewegung in jener Zeit in klarem Widerspruch zu gesellschaftlichen Normen und Konventionen, deren Überwindung sie sich zum Ziel gemacht hatte. Eine Etablierung von Nacktheit als eindeutig nicht sexuell, versehen mit Attributen wie NatĂŒrlichkeit, Reinheit und gegenseitigem Respekt diente einerseits der Selbstdefinition und Abgrenzung, nicht zuletzt aber auch der Vermeidung von Verfolgung und Verboten durch staatliche Behörden.cite-ref-daley-11-1[11]cite-ref-smith-4-2[4]cite-ref-g-rnicka-7-3[7]

Exhibitionismus und Voyeurismus

→

Hauptartikel

:

Exhibitionismus

und

Voyeurismus

Wissenschaftliche Studien und persönliche Erfahrungsberichte stimmen ĂŒberein, dass Nacktheit innerhalb der Freikörperkultur ihre sexuelle Bedeutung verliert.cite-ref-g-rnicka-7-4[7]cite-ref-20[20] Durch die gewohnheitsmĂ€ĂŸige Konfrontation mit Nacktheit in alltĂ€glichen Situationen, die eindeutig nicht sexuell sind, findet eine Entkontextualisierung von Nacktheit statt. Der Blick gewöhnt sich an nackte Körper beiderlei Geschlechts, die in unserem Kulturkreis sozialisierte Verbindung „Nacktheit → Sex“ löst sich auf. Somit entfallen die Motive fĂŒr Exhibitionismus und Voyeurismus. Der Anblick von gegengeschlechtlicher Nacktheit behĂ€lt zwar seinen Ă€sthetischen Wert und eine gewisse Neugier in Bezug auf die Körper anderer Menschen bleibt bestehen. Der nackte Körper per se ist jedoch nicht mehr sexuell erregend, sobald die gesellschaftlich erlernten Schemata wegfallen.cite-ref-g-rnicka-7-5[7]

Im Kontext der Freikörperkultur dient Nacktheit somit nicht als sexueller Reiz, und sie zieht somit auch keine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Viele FKK-AnfĂ€nger berichten von einer „Normalisierung“ durch Nacktheit: Diese wird selbstverstĂ€ndlich und allgegenwĂ€rtig, verliert somit ihre Aufmerksamkeitsfunktion und „tritt in den Hintergrund“.cite-ref-smith-4-3[4]cite-ref-barcan-21-0[21]cite-ref-g-rnicka-7-6[7]

Einfluss auf KörpergefĂŒhl und Selbstwahrnehmung

Überwindung von Körperscham

→

Hauptartikel

:

Körperscham

Kleidung dient, ĂŒber ihre Schutzfunktion gegen Temperatur und Witterung hinaus, als psychische Barriere gegenĂŒber anderen sowie auch als allgegenwĂ€rtiges Symbol von Status und sozialer Schicht. Eine „Entkleidung“ außerhalb der privaten Schutzzonen (Bade-, Schlafzimmer) geht somit mit Schutzlosigkeit, einem „Fremden-Blicken-ausgesetzt-Sein“ einher. Das Nacktsein vor fremden Personen in der Öffentlichkeit geht in unserer Kultur mit Scham und Peinlichkeit einher. Entsprechend werden erste Erfahrungen mit der Freikörperkultur von Personen, die nicht bereits seit ihrer Kindheit damit vertraut sind, oft als unangenehm und befremdlich berichtet.cite-ref-smith-4-4[4]cite-ref-cherrier-22-0[22]cite-ref-g-rnicka-7-7[7]

Menschen, die zum ersten Mal in Kontakt mit der Freikörperkultur kommen, beschreiben in der Regel einen mehrstufigen Prozess der AnnĂ€herung an diese fĂŒr sie ungewohnte Umgebung. Anfangs steht das unangenehme GefĂŒhl der Bloßstellung und Schutzlosigkeit im Vordergrund, verbunden mit der Angst, dass andere einen anstarren und fĂŒr die soziale Normverletzung sanktionieren könnten. Hinzu kommt eine starke Selbstaufmerksamkeit: Selbstempfundene körperliche MĂ€ngel und Makel rĂŒcken in den Fokus der eigenen Aufmerksamkeit. Dem folgt jedoch bald die Gewissheit, dass die fĂŒr einen selbst bisher ungewohnte Nacktheit vor den Augen anderer hier nun ganz normal und „natĂŒrlich“ ist und auch keine Sanktionen oder kritischen Blicke drohen. Andere Menschen um einen herum, deren Körper mitunter ebenso wenig gesellschaftlichen Schönheitsidealen genĂŒgen, verbergen diese auch nicht und verstecken nicht ihre vermeintlichen „Makel“. Die Angst vor Spott, Kritik und Missbilligung weicht einem GefĂŒhl der WertschĂ€tzung und Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper. Man wird akzeptiert, wie man ist, und ebenso schwindet die Beurteilung anderer nach gĂ€ngigen normativ-Ă€sthetischen Kriterien.cite-ref-23[23]cite-ref-nacktheit-gleichmacher-24-0[24]cite-ref-engelhardt-25-0[25]cite-ref-body-positivity-spiegel-26-0[26]

Akzeptanz des eigenen Körpers, psychisches Wohlbefinden

Mit zunehmender Gewöhnung stellt sich ein positives GefĂŒhl ein, dies wird meist mit „Freiheit“, „Entgrenzung“, „Verbundenheit mit Umwelt und Mitmenschen“ beschrieben.cite-ref-28[28] Gemeinschaftliche Nacktheit wird oft als befreiend empfunden und bedingt einen positiven Umgang mit dem eigenen Körper. Diese wird oft mit dem Konzept der Body positivity in Verbindung gebracht:cite-ref-body-positivity-spiegel-26-1[26] Durch die Vergewisserung, dass der eigene Körper mit allen vermeintlichen SchwĂ€chen und Makeln von anderen nicht kritisch betrachtet wird, entstehen Selbstsicherheit und wohlwollende Akzeptanz. Das oftmals mit Nacktheit verbundene GefĂŒhl der Selbst-Objektifizierung schwindet durch die Tatsache, dass der Blick auf nackte Körper frei von erotischem Begehren erfolgt.cite-ref-bellholliday-16-2[16]cite-ref-29[29]cite-ref-west2018-2-2[2]cite-ref-engelhardt-25-1[25]cite-ref-nacktheit-gleichmacher-24-1[24] Die gemeinschaftliche Nacktheit geht mit gegenseitigem Vertrauen, Respekt und einer Abwesenheit von Inszenierung einher.cite-ref-g-rnicka-7-8[7]

„FKK steht fĂŒr Selbstbewusstsein und den Ausbruch aus gesellschaftlichen ZwĂ€ngen. Das ist wichtig und förderungswĂŒrdig.“

–

Gregor Gysi

– PrĂ€sident der EuropĂ€ischen Linken

Die GefĂŒhle und Auswirkungen kollektiver, sozialer Nacktheit weisen BezĂŒge zu Formen der religiös-motivierten Nacktheit auf, wie jener der antiken Gymnosophisten oder auch heutzutage bei indischen Sadhus oder Digambara, deren Nacktheit neben Askese als Befreiung von weltlichen ZwĂ€ngen verstanden wird. Hier zeigen sich Parallelen zum spirituellen Hintergrund des Naturismus.cite-ref-barcan-21-1[21]cite-ref-g-rnicka-7-9[7]

In wissenschaftlichen Studien zeigt sich, dass Menschen, die regelmĂ€ĂŸig FKK praktizieren, ein positiveres Körperbild und weniger Selbstzweifel in Bezug auf ihren Körper haben.cite-ref-west2018-2-3[2]cite-ref-30[30] Dies ist unabhĂ€ngig davon, inwieweit diese dem gĂ€ngigen Körperideal entsprechen. Eine Sozialisierung im Rahmen der Freikörperkultur fĂŒhrt im spĂ€teren Leben zu einem selbstbewussteren und entspannteren VerhĂ€ltnis zum Körper und einer geringeren Verzerrung durch medial vermittelte Schönheitsideale.cite-ref-barcan-21-2[21]cite-ref-smith-4-5[4]cite-ref-cooper-18-1[18]cite-ref-g-rnicka-7-10[7]

„Hierzulande sind die Zeiten, in denen Menschen sich beim Anblick nackter Sonnenanbeter empörten, lange vorbei. Vielleicht ist FKK die Sehnsucht der Menschen nach dem Paradies. Vielleicht ein wenig Revoluzzertum. Vielleicht ist es einfach schön und befreiend. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus all diesen Argumenten.“cite-ref-31[31]

FKK als Wirtschaftsfaktor: der „Natourismus“

WĂ€hrend die Freikörperkultur in ihren AnfĂ€ngen als alternative Lebensform in Abgrenzung zu BĂŒrgertum und Establishment existierte, setzte im Laufe des 20. Jahrhunderts ebenso eine zunehmende touristische Kommerzialisierung ein. Diese Verbindung fand sich schon in den 1920er-Jahren am Motzener See:

„FĂŒr die Nackten von der MĂ€rchenwiese baute man um diese Zeit sogar eine eigene kleine Bahnstation, nun besaßen sie Europas einziges FKK-GelĂ€nde mit Gleisanschluss. Gewinnstreben siegte ĂŒber die Bedenken der SittenwĂ€chter, schließlich brachten die Naturisten viel Geld in die Dörfer.“cite-ref-m-rchenwiese-32-0[32]

Reiseveranstalter wie Hummelreisen, NUR und Aldiana boten frĂŒhzeitig Nackt-Urlaub in Anlagen wie Club Corsicana, Club Aldiana oder Rivabella an.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34] Inzwischen sind touristische Angebote fĂŒr Naturisten wie FKK-Camping, FKK-Resorts und Ferienanlagen oder auch Spezialangebote wie FKK-Kreuzfahrten zu einem wirtschaftlich bedeutsamen Segment der Tourismusbranche geworden, fĂŒr die sich auch das Kofferwort Natourismus etabliert hat.cite-ref-35[35]

In Deutschland wird der Markt fĂŒr Nackterholung auf etwa zehn Millionen Urlauber jĂ€hrlich geschĂ€tzt. FĂŒhrende Reiseziele in diesem Segment sind derzeit Frankreich und Kroatien. Allein in Frankreich gibt es ĂŒber 100 naturistische Feriendörfer und CampingplĂ€tze. Deren jĂ€hrlicher Umsatz erreicht einen dreistelligen Millionenbetrag.

Viele Urlaubsorte und Regionen versuchen sich durch entsprechende Angebote an NacktstrĂ€nden und Resorts hervorzuheben. In Deutschland sind Sylt, Mecklenburg-Vorpommern und die OstseekĂŒste beliebte Urlaubsregionen fĂŒr Nackterholung. In Frankreich sind das Tal der CĂšze, die BiskayakĂŒste mit unter anderem Montalivet-les-Bains, die MittelmeerkĂŒste mit unter anderem der Île du Levant, Leucate und Cap d’Agde sowie zahlreiche Naturistenanlagen im Inland bekannte Bereiche fĂŒr Nackturlauber. Auch in den Niederlanden gibt es eine Vielzahl von Anlagen, CampingplĂ€tzen und Strandabschnitten fĂŒr Naaktrecreatie.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37] Auf Mallorca wurde 2013 in S’Arenal de Sa Canova das erste FKK-Hotel der Insel eröffnet.cite-ref-38[38]

DarĂŒber hinaus werden Tourismusangebote speziell fĂŒr Nudisten vermarktet. Das Angebot reicht von CampingplĂ€tzen,cite-ref-39[39] GolfplĂ€tzencite-ref-40[40] und Fitnesscenterncite-ref-41[41] bis hin zu Segeltörnscite-ref-42[42] und Safaritouren.cite-ref-43[43] Auch auf einigen großen Kreuzfahrtschiffen wie der AIDAdiva befinden sich gesonderte Nackt-Bereiche.cite-ref-stern-587360-44-0[44] Der Kreuzfahrtveranstalter Carnival Cruise Line stellt einmal jĂ€hrlich das Schiff Carnival Freedom fĂŒr eine einwöchige bekleidungslose Kreuzfahrt in der Karibik zur VerfĂŒgung. Mit zirka 3000 Passagieren ist dies die weltweit grĂ¶ĂŸte Nudistenkreuzfahrt.cite-ref-45[45] In Deutschland befindet sich mit der Kristalltherme Ludwigsfelde und der Therme Erding zwei große textilfreie Thermen.cite-ref-46[46] Echte FKK-Anlagen gehören der INF an; im Gegensatz zu diesen wird in diesen Thermen kein FKK-Mitgliedsausweis verlangt.

Regionale Unterschiede

International

Nacktheit in der Öffentlichkeit wird in vielen Kulturen der Welt als anstĂ¶ĂŸig betrachtet und ist – außer in bestimmten ZusammenhĂ€ngen – verboten. Unter dieses Verbot kann bereits die EntblĂ¶ĂŸung des Oberkörpers bei Frauen fallen.

In der DDR war Nacktbaden verbreitet. In Polen dagegen ist öffentliche Nacktheit verpönt. Im Zuge der EU-Osterweiterung fiel die Grenzbarriere. Dadurch trafen hĂ€ufig polnische BadegĂ€ste an der OstseekĂŒste unvorbereitet auf nackte Menschen und reagierten bisweilen empört. Dies fĂŒhrte im Jahr 2009 zu politischen Verstimmungen zwischen Ahlbeck und SwinemĂŒnde.cite-ref-spon-626717-47-0[47]

In der UdSSR konnte man wegen Nacktbadens verhaftet werden. Erst Glasnost und Perestroika Mitte der 1980er-Jahre erleichterten den BĂŒrgern in Russland, nach ihrer Fasson zu leben. Von 1992 bis 1995 gab es einen Boom. Im Jahre 1995 wurde der erste Verein in Moskau offiziell anerkannt und damit legal. 2006 hatte er etwa 200 Mitglieder. Im SilberwĂ€ldchen (ĐĄĐ”Ń€Đ”Đ±Ń€ŃĐœŃ‹Đč Đ‘ĐŸŃ€, ‚Serebrjany Bor‘) liegt der bekannteste Nacktbadestrand bei Moskau. Die Gesamtzahl der offiziellen und erlaubten StrĂ€nde ist ĂŒberschaubar. Insbesondere auf der Krim ist Nacktbaden inzwischen verbreitet.cite-ref-48[48]

In den Vereinigten Staaten gibt es in den sĂŒdlichen Bundesstaaten zahlreiche Urlaubs-PrivatgelĂ€nde, wo das Nacktsein erlaubt oder sogar erforderlich ist. An der PazifikkĂŒste sowie in Florida existieren einige Nacktbade- bzw. Naturisten-StrĂ€nde, außerhalb von diesen wird das Nacktsein an öffentlichen BadestrĂ€nden nahezu ĂŒberall rechtlich untersagt. Arnd KrĂŒger hat die historische Entwicklung der FKK-Bewegungen in Deutschland und den USA verglichen und aufgezeigt, dass in Deutschland ein starker Nationalismus dahinter stĂŒnde, wĂ€hrend in den USA von Anfang an Vermarktungsinteressen dominieren wĂŒrde.cite-ref-books-chds3qcnmcoc-49-0[49]

In Frankreich setzt sich die Aktivistengruppe Association pour la promotion du naturisme en libertĂ© (APNEL) dafĂŒr ein, ĂŒberall im öffentlichen Raum nackt sein zu können.

Kroatien gilt im Mittelmeerraum als das Land mit der ausgeprÀgtesten Tradition zur Nacktheit an StrÀnden, auf CampingplÀtzen und Hotels. Diese Nacktheit ist seit 1953 im damaligen Jugoslawien erlaubt und bis heute in der Adria-Region stark verbreitet, aber mit Freikörperkultur/Naturismus nicht gleichzusetzen.cite-ref-50[50]

Deutschland

Der Historikerin Dagmar Herzog zufolge ist die Kultur öffentlicher Nacktheit in Deutschland stĂ€rker ausgeprĂ€gt als in anderen westlichen LĂ€ndern. So war Deutschland Vorreiter der FKK-Bewegung, andere LĂ€nder wie das Vereinigte Königreich, Belgien und auch die USA folgten spĂ€ter. Herzog zufolge ist das entspannte deutsche VerhĂ€ltnis zur Nacktheit zurĂŒckfĂŒhrbar „auf den Aufstand der 68er gegen die Heuchelei der 1950er-Jahre, ferner die NormalitĂ€t des Nacktbadens in der DDR und den Fitness- und Wellnessboom der 1980er- und 1990er-Jahre“.cite-ref-welt-4539432-51-0[51]

Nach der Wiedervereinigung wurde das Nacktbaden in den neuen BundeslĂ€ndern zurĂŒckgedrĂ€ngt. Besonders an den OstseestrĂ€nden kam es in den 1990er-Jahren zu Konflikten um das Nacktbaden, in deren Folge einige Kommunen die FKK-StrĂ€nde wieder verkleinerten. An einigen Binnenseen in Mecklenburg und anderen Regionen im Osten Deutschlands hat sich die ungezwungene Nacktheit trotzdem weitgehend erhalten. Auch an der Ostsee wurden die Gepflogenheiten zuletzt wieder etwas lockerer. Inzwischen ist es an vielen ehemals textilfreien Orten weitgehend akzeptiert, sowohl bekleidet als auch nackt zu sein. Ausnahme bilden ausgesprochene TextilstrĂ€nde und von FKK-Vereinen betriebene Strandabschnitte und Seen. In GroßstĂ€dten wie MĂŒnchen sind meist FKK-Bereiche in der Natur und stĂ€dtischen BĂ€dern ausgewiesen.cite-ref-52[52]

Laut einer 2014 durchgefĂŒhrten Studie ist Deutschland weltweit das Land mit der grĂ¶ĂŸten Akzeptanz fĂŒrs Nacktsein: Rund ein Drittel aller Befragten gab an, schon einmal nackt in der Öffentlichkeit gewesen zu sein.cite-ref-53[53]cite-ref-spon-983379-54-0[54]cite-ref-55[55]

Österreich

FĂŒr AnhĂ€nger der Freikörperkultur gibt es zahlreiche GelĂ€nde von FKK-Vereinen und mehrere FKK-CampingplĂ€tze und FKK-Erholungszentren.cite-ref-56[56]

Nach dem Bau der Wiener Donauinsel hat die Wiener Landesregierung im Bereich des dort entstandenen Erholungsgebietes acht Kilometer Ufer- und Strandzone explizit fĂŒr das Nacktbaden freigegeben.cite-ref-magistrat-der-stadt-wien-57-0[57] Einige kommunale FreibĂ€der bieten Nacktbadebereiche an. Im Wiener Nationalpark Lobau gibt es öffentliche, wenngleich nicht behördlich definierte, NacktbadeplĂ€tze, u. a. bei der Dechantlacke. In Graz gibt es im Freibad Straßgang einen durch eine Wand abgeschirmten Nacktbadebereich mit eigenem Becken. Am Schwarzlsee, einem fast 1 km langen Schotterteich mit Dauer-Camping und Veranstaltungshallen, ist in der nördlichen HĂ€lfte des Badestrands Nacktbaden erlaubt.

Der Pleschinger See bei Linz weist seit 1982 einen offiziell FKK genannten Nacktbadebereich auf.cite-ref-58[58] Am Weikerlsee wird informell nackt gebadet, an einem Teil der Feldkirchner Badeseen bei Eintritt.

Eine Studie in verschiedenen LĂ€ndern Europas erforschte die HĂ€ufigkeit von nacktem Aufenthalt am Strand. Danach ist in Österreich die Bereitschaft beziehungsweise das Interesse an der Nacktheit am grĂ¶ĂŸten (gefolgt von Deutschland und Frankreich). Aus der Studie ist nicht erkennbar, in welchem Umfang die Österreicher ĂŒberzeugte AnhĂ€nger der Freikörperkultur sind.cite-ref-59[59]

Schweiz

In der Schweiz gibt es nur wenige BadestrĂ€nde, an denen FKK offiziell erlaubt oder zumindest geduldet ist. Ein solcher Bereich existiert beispielsweise beim Katzensee in der NĂ€he von ZĂŒrich. Andernorts wird eher inoffiziell an kleineren GewĂ€ssern nackt gebadet. Öffentliche Nacktheit ist in der Schweiz (ausser im Kanton Appenzell Innerrhoden, siehe unten) nicht grundsĂ€tzlich verboten.

Saunaanlagen werden in der Deutschschweiz in der Regel textilfrei besucht.

In der Schweiz koordiniert zudem der Dachverband die nationalen AktivitÀten der insgesamt 15 regionalen Naturistenvereine sowie die internationalen Anbindungen. Sieben der Vereine besitzen ein eigenes GelÀnde, auf welchem man sich in der Regel nackt bewegt.cite-ref-60[60]

Das GelĂ€nde der NASPOcite-ref-61[61] liegt in NĂ€nikon im Einzugsgebiet von ZĂŒrich. Zweimal jĂ€hrlich findet ein Tag der offenen TĂŒr statt, an welchem die Besucher von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr das GelĂ€nde jeweils bekleidet erkunden können.cite-ref-62[62]

Rechtliche Aspekte öffentlicher Nacktheit

International

DĂ€nemark ist weltweit der einzige Staat, der Textilfreiheit prinzipiell an KĂŒste und Strand erlaubt. In allen anderen LĂ€ndern Europas ist es an offiziell gekennzeichneten BadestrĂ€nden erlaubt, an „wilden“ NacktbadestrĂ€nden allerdings nur mehr oder weniger durch den Staat geduldet.cite-ref-63[63]cite-ref-64[64]

Öffentlicher Nacktheit wird von Behördenseite mancherorts durch Verbote begegnet. So erließ die Stadt Brattleboro in den Vereinigten Staaten im Jahr 2007 ein Verbot öffentlicher Nacktheit, nachdem Jugendliche immer öfter nackt in der Stadt auftauchten.cite-ref-65[65]cite-ref-66[66]

In der Schweiz hat im stark katholisch geprĂ€gten Kanton Appenzell Innerrhoden die Landsgemeinde (das wahlberechtigte Stimmvolk als höchstes politisches Organ) vom 26. April 2009 Artikel 15 des kantonalen Übertretungsstrafrechts dahingehend ergĂ€nzt, dass fortan ein „öffentlich anstössiges, Sitte oder Anstand verletzendes Verhalten“ als Offizialdelikt bestraft wird. Obwohl nicht ausdrĂŒcklich genannt, wurde diese Bestimmung hauptsĂ€chlich mit Blick auf das Nacktwandern aufgenommen. Es handelt sich dabei nicht um eine NeueinfĂŒhrung eines Verbots, sondern um eine ununterbrochene und ansonsten kaum beachtete Praxis in mehreren Kantonen.cite-ref-67[67] Das Bundesgericht in Lausanne hat am 17. November 2011 diese Bestimmung als zulĂ€ssig und auf das Nacktwandern anwendbar erklĂ€rtcite-ref-68[68] (vgl. dazu auch den Abschnitt „Wandern“ im Artikel „Nacktsport“).

In Polen wird öffentliche Nacktheit, teilweise auch an den öffentlichen StrĂ€nden, von Amts wegen verfolgt, wenn sie von AmtstrĂ€gern vor Ort oder ĂŒber VideoĂŒberwachungssystemecite-ref-69[69] bzw. ortsfeste Geschwindigkeitsmessanlagencite-ref-70[70] festgestellt wird, ohne dass es GeschĂ€digte (belĂ€stigte Personen) gibt. Nach dem polnischen Vergehensgesetzbuch (kodeks wykroczeƄ) kann sie als Ungehörigkeitsvergehen mit Arrest, einer Geldbuße von bis zu 1500 PLN (ca. 360 Euro) geahndet werden.cite-ref-71[71] Bei Frauen wird bereits „oben ohne“ als Ungehörigkeit bestraft. Im polnischen KĂŒstengebiet gibt es nur wenige Orte, wo das Praktizieren von FKK durch explizite Grenzmarkierungen und Hinweistafeln kommunal geduldet wird, so beispielsweise in KoƂobrzeg oder GdaƄsk. Diese Gebiete sind in der Regel bewusst nicht einsehbar und jenseits von stark frequentierten Zuwegen angelegt.

Eine in Freiburg im Breisgau ansĂ€ssige BĂŒrgerinitiative und Ă€hnliche Initiativen in Großbritannien traten fĂŒr die Anerkennung der öffentlichen Nacktheit als BĂŒrgerrecht ein.cite-ref-72[72] Das galt fĂŒr die Jahre 1999 bis 2005, wĂ€hrend ab 2007 keine derartige AktivitĂ€t mehr auffindbar ist.

In Italien ist öffentliche Nacktheit verboten und wird mit sehr hohen Geldbußen geahndet,cite-ref-73[73] wobei einige wenige Regionen Naturismus-Gesetze zur Förderung des Tourismus umgesetzt haben, so z. B. Emilia-Romagna,cite-ref-74[74] Abruzzencite-ref-75[75] und Veneto.cite-ref-76[76] So existieren nur dort einige wenige bewilligte FKK-StrĂ€nde, auf denen Nacktheit ohne Strafe erlaubt ist. Auf allen anderen öffentlichen StrĂ€nden in Italien sowie auch auf normalerweise geduldeten FKK-StrĂ€nden können OrdnungshĂŒter empfindliche Strafen aussprechen.cite-ref-77[77]

Die bis dahin allgemein geltende Tolerierung des Nacktbadens in Spanien wurde 2009 in einem Urteil des obersten Gerichtes eingeschrĂ€nkt. Hintergrund war ein FKK-Verbot der Gemeinde Castell-Platja d’Aro, welches von NudistenverbĂ€nden angefochten wurde. Diese klagten mit der Forderung „Nacktbaden sei ein Grundrecht“ vor Gericht gegen die EinschrĂ€nkung. Auswirkungen zeigte das Urteil primĂ€r in der Region Costa Brava.cite-ref-78[78] Der Ort Charco del Palo auf der Kanareninsel Lanzarote besitzt seit 1980 als einziger eine offizielle FKK-Genehmigung.

Deutschland

In vielen Kommunen werden Strand-, Fluss- oder Parkbereiche ausgewiesen, in denen das Nacktbaden und -sonnen ausdrĂŒcklich zugelassen ist.cite-ref-79[79] Auch außerhalb dieser offiziellen FKK-StrĂ€nde ist Nacktbaden an frei zugĂ€nglichen BadestĂ€tten oftmals ohne besondere EinschrĂ€nkungen möglich.

WĂ€hrend Nacktheit am Strand und Badesee weitgehend geduldet ist und keine rechtlichen Konsequenzen nach sich zieht, ist Nacktheit außerhalb dieser Örtlichkeiten – nicht jedoch in der eigenen Wohnung und auf dem eigenen GrundstĂŒck – bisher mitunter sanktioniert worden.cite-ref-tz-80-0[80] In Deutschland ist öffentliche Nacktheit (ohne sexuellen Bezug) strafrechtlich nicht verboten, sie wird jedoch gelegentlich wegen BelĂ€stigung der Allgemeinheit nach § 118 OWiG als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld belegt.cite-ref-81[81] In der Praxis wird meist ein Platzverweis ausgesprochen, eine Verfolgung als Ordnungswidrigkeit geschieht dagegen nur selten.cite-ref-anwaltsauskunft-82-0[82] Nudistische Veranstaltungen werden mitunter nicht genehmigt. So wurde 2005 beispielsweise eine „Nacktradel-Aktion“ durch das Verwaltungsgericht Karlsruhe untersagt. Als BegrĂŒndung des Gerichts hieß es, dass die PlĂ€ne der allgemein anerkannten Regel der ungeschriebenen Gesellschaftsordnung, sich auf öffentlichen Straßen nicht nackt zu zeigen, widersprechen (Urteil vom 7. Juni 2005; AZ: 6 K 1058/05).cite-ref-anwaltsauskunft-82-1[82]

In der eigenen Wohnung und auf dem eigenen GrundstĂŒck ist beliebige Kleidung und damit auch die Nacktheit durch die Unverletzlichkeit der Wohnung (Art. 13) geschĂŒtzt, unabhĂ€ngig von eventueller Einsehbarkeit.cite-ref-83[83]

Ablehnung von FKK, Verfolgung und Widerstand

Seit den AnfĂ€ngen der Freikörperkultur sah sich diese Anfeindungen ausgesetzt und musste sich gegen behördliche Repressalien zur Wehr setzen. Diese Ablehnung erfolgte in der Regel aus moralischen ErwĂ€gungen und ging mit der Unterstellung der Unsittlichkeit öffentlicher Nacktheit einher. DarĂŒber hinaus gingen damit mitunter politische Motive einher, da die FKK-Bewegung traditionell politisch links ausgerichtet war und der sozialistischen Arbeiterbewegung nahe stand.cite-ref-84[84]

Beispielhaft dafĂŒr ist die Verfolgung der Freikörperkultur ab 1933 im austrofaschistischen StĂ€ndestaat. FKK hatte sich ab den 1920er-Jahren in der Lobau fest etabliert und erfreute sich großer Beliebtheit in der jungen Bevölkerung Wiens. Mit der faschistischen MachtĂŒbernahme unter Engelbert Dollfuß endete die Toleranz, und die „Nackerten“ wurden zunehmender Verfolgung ausgesetzt. Die Polizeibehörden wurden dazu angehalten, verstĂ€rkt auf die „korrekte Bedeckung“ des Körpers zu achten und gegen jegliche „unnötige Nacktheit“ vorzugehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entspannte sich diese Situation wieder, und FKK konnte in Österreich wieder ausgeĂŒbt werden.

Das Recht auf öffentliche Nacktheit wird zunehmend eingefordert:cite-ref-de-vries2018-17-1[17]

In der DDR wurden ab den 1950er-Jahren in verschiedenen Regionen der Ostsee Konflikte zwischen nackten und bekleideten BadegĂ€sten ausgetragen, der sogenannte „Höschen-Krieg“. Dabei kam es zu Beleidigungen und tĂ€tlichen Übergriffen von beiden Seiten. Es kam zum Einschreiten der Polizei, in einigen Verwaltungsbezirken wurden FKK-Verbote verhĂ€ngt. Dies fĂŒhrte zum Widerstand von Seiten der FKK-Bewegung. Teilweise wurden bekleidete Personen, die dem FKK-Bereich zu nahe kamen, „zwangsentkleidet“ und an BĂ€ume gebunden. Der Kultusminister der DDR, Johannes R. Becher forderte Erlasse dagegen, dass „gewisse Leute ihre deformierten Körper zur Schau stellen“ wĂŒrden. Aus dieser Zeit stammt auch die spĂ€ter bekanntgewordene Anekdote, wonach Johannes R. Becher eine nacktbadende Frau mit den Worten: SchĂ€men Sie sich nicht, Sie alte Sau? anschrie. Es handelte sich dabei um die Schriftstellerin Anna Seghers, welche er nicht erkannt hatte. Als Becher ihr wenige Wochen spĂ€ter den Nationalpreis erster Klasse mit den Worten Meine liebe Anna ĂŒberreichte, erwiderte Seghers fĂŒr alle deutlich hörbar: FĂŒr dich immer noch die alte Sau.cite-ref-welt-949053-85-0[85] Die FKK-Kultur der DDR ging siegreich aus diesem Konflikt hervor, ab den 1960er-Jahren wurde FKK in der DDR zur Massenbewegung und so verbreitet wie sonst nirgendwo auf der Welt.cite-ref-spon-947073-86-0[86]

Obgleich heute in den meisten westlichen LĂ€ndern FKK-StrĂ€nde und Einrichtungen existieren und sie ĂŒberwiegend toleriert sind, kommt es nach wie vor auch in Europa zu Übergriffen und Anfeindungen. So kam es 2016 im FKK-Bereich des Strandbades von Xanten zu Beleidigungen und Beschimpfungen von BadegĂ€sten, vermutlich vor einem politisch-religiösen Hintergrund.cite-ref-87[87] Polizei und Staatsschutz nahmen daraufhin Ermittlungen auf.cite-ref-88[88] In der NĂ€he von Porto-Vecchio auf Korsika kam es 2017 an einem Strand zu einem Schusswaffengebrauch durch einen lokalen GeschĂ€ftsinhaber. Er stand der dortigen Nackterholung ablehnend gegenĂŒber und forderte die Nackten auf, sich zu bekleiden. Als diese sich weigerten, kam es zum Streit, worauf der GeschĂ€ftsmann einer flĂŒchtenden Frau ins Bein schoss.cite-ref-89[89] In der NĂ€he von Hamburg ĂŒberfuhr 2018 ein Landwirt einen nackten Mann mit seinem GelĂ€ndewagen.cite-ref-90[90] Laut seiner Aussage habe er den Badegast ĂŒbersehen; es gab jedoch im Vorfeld bereits Konflikte zwischen dem Landwirt und Nudisten. Der Bauer wurde wegen fahrlĂ€ssiger Körperverletzung verurteilt.cite-ref-91[91] Im brandenburgischen Lychen eskalierte im Jahr 2020 ein FKK-Streit: obgleich an den umliegenden Badeseen seit vielen Jahrzehnten nackt gebadet wurde, erließ die Stadtverwaltung ein FKK-Verbot an den kommunalen Badestellen. Dies fĂŒhrte zu erbittert ausgetragenen Konflikten zwischen BefĂŒrwortern und Gegnern der Entscheidung, bis hin zu Erpresserschreiben und der Drohung, einen See mit Dieselkraftstoff zu vergiften. Der Konflikt endete mit dem RĂŒcktritt eines Stadtverordneten und der Aufhebung des Verbots.cite-ref-92[92]cite-ref-93[93]

In neuester Zeit gibt es seitens Gruppen von sogenannten Nacktivisten Bestrebungen, möglichst in jeder Lebenslage nacktiv zu sein und die ZulĂ€ssigkeit des Nacktseins auch auf den gesamten öffentlichen Raum auszudehnen. Eine Haltung, die zum Nudismus, nicht jedoch zum Naturismus passt. Von den Nacktivisten wird gefordert, dass auch außerhalb begrenzter Nacktbereiche, beispielsweise im stĂ€dtischen Raum, Nacktheit gestattet sein sollte. Dabei wird nicht öffentliche Nacktheit als Problem angesehen, sondern die öffentliche Einstellung gegenĂŒber der Nacktheit:

„Nur sehr wenige stören sich an uns – und die, die es tun, mĂŒssen eher was an ihrer Einstellung Ă€ndern.“cite-ref-tz-80-1[80]

In den Vereinigten Staaten gibt es an der WestkĂŒste in StĂ€dten wie Portland, Seattle und San Francisco eine ausgeprĂ€gte Nudistentradition, die jedoch immer wieder von Polizei und Verwaltungsbehörden in Frage gestellt wird. In San Francisco, einer traditionell sehr liberalen Stadt, sprach sich die Stadtvertretung im November 2012 fĂŒr ein Verbot öffentlicher Nacktheit innerhalb der Stadt aus. Diese Entscheidung zog Proteste und Demonstrationen von BĂŒrgern nach sich.cite-ref-fr-online-20923750-94-0[94]

Geschichte

Die bei weitem umfangreichste Sammlung zur historischen und aktuellen Situation der Freikörperkultur, die „Internationale FKK-Bibliothek“ (ehemals Sammlung Karlwilli und Jörg Damm zu Baunatal), befindet sich im NiedersĂ€chsischen Institut fĂŒr Sportgeschichte in Hannover.

Hintergrund

In europĂ€ischen BadehĂ€usern wurde im Mittelalter meist nackt gebadet, wenn auch gelegentlich moralische oder (im Hinblick auf KrankheitsĂŒbertragung) medizinische Bedenken dazu geĂ€ußert wurden.cite-ref-95[95] In weiten Teilen Mitteleuropas badeten die Menschen bis ins 18. Jahrhundert hinein in FlĂŒssen und Seen nackt, wenn auch oft nach Geschlechtern getrennt. Erst im spĂ€ten 18. Jahrhundert begann hier die wirksame Tabuisierung der öffentlichen Nacktheit, die im dĂŒnner besiedelten Skandinavien nie durchgesetzt wurde. Parallel dazu propagierte und praktizierte Lord Monboddo (1714–1779) bereits im 18. Jahrhundert das Nacktbaden als Wiedererwachen der altgriechischen Nacktkultur. Es fand literarische ErwĂ€hnung in Georg Christoph Lichtenbergs (1742–1799) Buch Das Luftbad.

Von 1898 bis 1920: Nacktkultur in Lebensreform- und Jugendbewegung

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Hauptartikel

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Lebensreform

1898 entstand in Essen der erste FKK-Verein. Um 1900 kam das Nacktbaden im Raum Berlin und an Nord- und Ostsee immer mehr auf. Wenige Jahre zuvor war vielerorts ein gemeinsames Baden in der Öffentlichkeit – selbst in zeitgemĂ€ĂŸ umfĂ€nglicher Badebekleidung – offiziell verboten worden oder galt als unmoralisch. Ebenfalls um 1900 begann die naturistische Bewegung in Frankreich.

„Der erste offizielle FKK-Verein Deutschlands wurde 1898 im Ruhrgebiet gegrĂŒndet, obwohl das Zentrum des Nacktbadens immer schon eher an der KĂŒste und um das liberale, experimentierfreudige Berlin herum lag.“cite-ref-96[96]

Noch lange Zeit nach der politischen Liberalisierung versuchten konservative Kreise, das besonders unter urbanen Intellektuellen zunehmend populĂ€re Nacktbaden als Sittenverfall zu bekĂ€mpfen. Als Gegenbewegung dazu formierten sich vor allem in Preußen, das traditionell toleranter war als andere LĂ€nder des Deutschen Reiches, lebensreformerische und naturistische Nacktkultur (FKK-)Vereinigungen, von denen es bereits 1913 ĂŒber 50 gab. Der hohe ideologische Anspruch dieser Vereine zeigt sich in Namen wie zum Beispiel „Die neue Zeit“ oder „Bund freier Menschen“. Eine große Zahl der Naturisten jener Zeit kam aus der Wandervogel- beziehungsweise der Jugendbewegung.cite-ref-morris-97-0[97]

Die frĂŒhen Protagonisten der FKK hatten unterschiedliche politische Ausrichtungen. Man wollte – pointiert formuliert – mit der Nacktheit entweder die Gleichheit aller Menschen erreichen oder aber die RĂŒckkehr zu den abgehĂ€rteten, nackten Germanen, von denen der römische Schriftsteller Tacitus in seiner Germania berichtet. Wirklich ideologiefreie FKK-Vereine, die das Nacktsein einfach als die angenehmere und intensivere Art des Naturerlebnisses betrachtet hĂ€tten, gab es zu dieser Zeit kaum.

Bekannte Persönlichkeiten, die zu jener Zeit als „FKK-Pioniere“ zur Entstehung und Verbreitung des Naturismus beitrugen, sind unter anderen:

‱ Karl Wilhelm Diefenbach (1851–1913), Maler und FKK-VorkĂ€mpfer
‱ August Engelhardt (1875–1919), Aussteiger und Naturprediger, grĂŒndete in Neuguinea einen nudistischen „Sonnenorden“
‱ Fidus (1868–1948), Maler des „Lichtgebets“ (1905), das der Bewegung ein Zeichen gab
‱ Adolf Koch (1896–1970), Arzt und Sozialist
‱ Heinrich Pudor (1865–1943), frĂŒher Propagandist der Nacktkultur, völkisch-nationaler Publizist
‱ Arnold Rikli (1823–1906), Schweizer Naturheiler, neuzeitlicher BegrĂŒnder des Naturismus
‱ Herbert Rittlinger (1909–1978), Weltreisender und Schriftsteller, der u. a. in seinen BĂŒchern die Verbindung von FKK und Kanusport schildert
‱ Hans SurĂ©n (1885–1972), Autor von FKK-Schriften, wegen seiner NĂ€he zur NS-Ideologie umstritten
‱ Richard Ungewitter (1869–1958), Antisemit, Buchautor und erster Organisator der FKK-Bewegung
‱ Karl Vanselow (1877–1959), Herausgeber von Zeitschriften zur FKK-Bewegung

Die AnhÀnger der FKK hatten zumeist einen evangelischen Hintergrundcite-ref-99[99] und bezogen in die FKK auch verschiedene ErnÀhrungslehren wie Rohkost oder Vegetarismus sowie unterschiedliche esoterische Lehren wie die Mazdaznanlehre und die Neugeist-Bewegung mit ein. Es sind sowohl eher linke als auch dezidiert antisemitisch bzw. völkisch ausgerichtete Varianten bekannt, so letztere bei der Runengymnastik in enger Beziehung zur Ariosophie. Die anfÀngliche starke politische Pluralisierung trug dabei auch zur breiten Verbreitung sowie zur heutigen Anerkennung als ideologiefreie Nackterholung bei.cite-ref-100[100]

Von 1920 bis 1945: „Schwedisches Baden“ im Motzener See

In den 1920er Jahren fand die Freikörperkultur zunehmende Verbreitung. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, in Deutschland als Zeit der Weimarer Republik assoziiert, war durch eine zunehmende Liberalisierung gekennzeichnet. Mit dem Untergang des Kaiserreiches kam es zu einer Auflockerung bĂŒrgerlicher Normen und MoralitĂ€t. Die sogenannten goldenen Zwanziger Jahre zeichneten sich durch Hedonismus und soziale UnkonventionalitĂ€t aus. Insbesondere in Berlin und dem Berliner Umland wurde das Nacktbaden – damals auch als „schwedisches Baden“ bezeichnetcite-ref-nacktetatsachen-101-0[101] – unter jungen Leuten immer beliebter.

Der Motzener See sĂŒdlich von Berlin wurde zur nassen Wiege der deutschen FKK-Kultur.cite-ref-m-rchenwiese-32-1[32] Insbesondere junge Leute aus Berlin fuhren an den Wochenenden in die Gegend nördlich von Motzen, wo sich die MĂ€rchenwiesem-rchenwiese⊙52.225113.5686cite-ref-102[102] als Zentrum der Freikörperkultur herausbildete. Der Motzener See, den die Bahn etwa auf halbem Wege von Mittenwalde nach Töpchin tangierte, wurde in dieser Zeit ĂŒber mehrere Ausflugshaltepunkte in unmittelbarer NĂ€he zu den Badestellen erschlossen. Dies brachte ihr auch zu dieser Zeit den Beinamen Motzenersee-Bahn ein. Die nördlichste dieser Badestellen erhielt den klangvollen Namen „MĂ€rchenwiese“.

„Jedes Mal, wenn ihre MĂ€rchenwiese am Nordzipfel des Motzener Sees in Sicht kam, hielt er den fauchenden, bimmelnden Zug kurz an. Dann sprangen die jungen Leute ab ins Land der Sommerfrische. Sie entledigten sich ihrer Kleider, rannten wie Adam und Eva ĂŒber den Sand ins glasklare Wasser – und brachten mit ihrem Elan die Freikörperbewegung in den frĂŒhen 20er Jahren in Schwung.“cite-ref-m-rchenwiese-32-2[32]

In den ersten Jahren war der Halt nicht offiziell und der Zug hielt nur auf Nachfrage der Naturisten. Erst 1931 wurde der gleichnamige Haltepunkt angelegt, die MÀrchenwiese war somit spÀter auch die erste FKK-Badestelle mit Gleisanschluss.cite-ref-103[103] Die FKK-Bewegung rund um den Motzener See war ebenfalls stark von Ideen der Arbeiterbildung, SexualaufklÀrung, ErnÀhrung, Gymnastik und der neuen KörperÀsthetik inspiriert.cite-ref-104[104]

„Sie kamen aus der Wandervogel-Bewegung und aus SportlerbĂŒnden ‚ohne Geschlechtertrennung‘; sie agitierten in Motzen mit Berlins SexualpĂ€dagogen Dr. Magnus Hirschfeld gegen den § 218 und bauten ihre Kolonien mĂ€chtig aus.“cite-ref-m-rchenwiese-32-3[32]

Zunehmend bildeten sich auch FKK-Vereine. Nachdem 1920 in Deutschland der erste offizielle Nacktbadestrand auf Sylt entstanden war, schlossen sich die meisten FKK-Vereine 1923 zur „Arbeitsgemeinschaft der BĂŒnde deutscher LichtkĂ€mpfer“ (ab 1926 Reichsverband fĂŒr Freikörperkultur) zusammen. Die sozialistischen Gruppen vereinigten sich separat unter dem Namen „Freie Menschen. Bund fĂŒr sozialistische Lebensgestaltung und Freikörperkultur“ mit (1932) ca. 70.000 Mitgliedern. In Frankfurt am Main trafen sich 1930 Vertreter aus England, den Niederlanden, Frankreich, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Italien und Deutschland und grĂŒndeten spĂ€ter eine „EuropĂ€ische Union fĂŒr Freikörperkultur“. Generell machte der Naturismus in den 1930er Jahren weitere Fortschritte: Es entstand das „Lichtschulheim LĂŒneburger Land“ (LLL) in GlĂŒsingen (LĂŒneburger Heide). Die erste Dissertation ĂŒber die FKK-Bewegung wurde geschrieben, am 5. Mai 1931 in Leipzig das erste öffentliche FKK-Schwimmfest durchgefĂŒhrt. Doch wurde das Nacktbaden außerhalb geschlossener VereinsgelĂ€nde ab 1931 wieder generell verboten, die FKK-Vereine wurden ab 1933 entweder aufgelöst oder als SportverbĂ€nde in nationalsozialistische Organisationen, wie dem Bund fĂŒr Leibeszucht, integriert. Am Ende der Weimarer Republik hatten die FKK-Vereine ca. 100.000 Mitglieder.cite-ref-105[105]

Die anfangs rein deutsche Freikörperkultur breitete sich in andere LĂ€nder aus. So entstanden auch in Großbritanniencite-ref-morris-97-1[97] und Australiencite-ref-daley-11-2[11] erste FKK-Gemeinschaften, die spĂ€ter zu Vereinen wurden.

Am 3. MĂ€rz 1933 erließ das preußische Innenministerium einen Runderlass zur „BekĂ€mpfung der Nacktkulturbewegung“, der Reichsverband unterstĂŒtzte diesen sogar und nannte sich schließlich in „Kampfring fĂŒr völkische Freikörperkultur“ um. Doch im völkischen Offizier Hans SurĂ©n beim Reichsarbeitsdienst, dem ReichsbauernfĂŒhrer Walter DarrĂ© und am Ende stark in der SS fand die FKK wieder neue UnterstĂŒtzer. Anfang August 1939 fanden in Thielle (heutige Gemeinde La TĂšne, Schweiz) die 1. Naturistischen „Olympischen Spiele“ statt. Im Deutschen Reich wurde das Verbot des Nacktbadens per Reichsverordnung vom 10. Juli 1942 gelockert, wenn es keiner sehen musste. Es gab in der Zeit des Nationalsozialismus auch eine „rassistische Nacktkultur“, deren bekanntester Vertreter Hans SurĂ©n war und die die nationalsozialistischen Körperideale verherrlichte.cite-ref-106[106] 1940 erschienen die ersten FarbbildbĂ€nde mit Darstellungen martialischer Nacktheit, so vom Bildhauer Arno Breker.cite-ref-107[107]

Entwicklung nach 1945 bis zur Gegenwart

FKK in der DDR

In der DDR war das Nacktbaden an offenen Badeseen und GewÀssern (beispielsweise der Ostsee) bis 1954 nach den noch geltenden NS-Regeln erlaubt, danach verboten. Das Verbot wurde 1956 aufgehoben.

An vielen GewĂ€ssern, an denen das Baden offiziell gar nicht erlaubt war (Kiesgruben u. Ă€.), wurde auch nackt gebadet; an offiziellen Badeseen gab es hĂ€ufig FKK-Bereiche. An der Ostsee gab es in den meisten Badeorten Strandabschnitte, die fĂŒr FKK ausgewiesen waren. HĂ€ufig lagen diese links und rechts des textilen Abschnitts an der jeweiligen Hauptpromenade. Generell herrschte in der DDR eine weitaus grĂ¶ĂŸere Toleranz gegenĂŒber öffentlicher Nacktheit als in der Bundesrepublik.cite-ref-spon-983379-54-1[54]

Der Beginn des Naturismus in der DDR lag in den frĂŒhen 1950er Jahren in Ahrenshoop. In dem Badeort an der Ostsee entstanden Bereiche, in denen KĂŒnstler und Intellektuelle erstmals nackt badeten. Die Region war ein Badeort der gesellschaftlichen Avantgarde der DDR, ein Urlaubsort fĂŒr zahlreiche Schriftsteller, Schauspieler und Politiker. Es kam in den folgenden Jahren zu Konflikten zwischen bekleideten und unbekleideten BadegĂ€sten, bis die Gemeindeverwaltung Ahrenshoop im Mai 1954 das Nacktbaden verbot.

Mit dem Verbot des Nacktbadens regte sich bald Unmut innerhalb der FKK-AnhĂ€ngerschaft, die auf eine erneute Legalisierung des Nacktbadens drĂ€ngten. Unter anderem setzten sich Rudolf Bernstein, Chef des Progress Film-Verleihs, sowie Werner Otto, Dramaturg an der Komischen Oper Berlin, fĂŒr das Nacktbaden ein. Das Nacktbaden wurde daraufhin in Ahrenshoop wieder erlaubt, blieb jedoch auf diese Region beschrĂ€nkt. In anderen Teilen des Landes ging die StaatsfĂŒhrung weiterhin gegen Nacktbader vor. Zum Teil kam es zu eskalierenden Konflikten, wobei (vermeintlich) feindselige, bekleidete BadegĂ€ste zwangsentkleidet oder an BĂ€ume gefesselt und beschimpft wurden. Auch kam es zu wilden und ausschreitenden Strandfesten, die sich unter dem Begriff Kamerun-Feste zunehmend verbreiteten. Entsprechend stellte der Begriff Kamerun ein Synonym fĂŒr FKK in der DDR dar.cite-ref-108[108]cite-ref-109[109]

Als Der Spiegel im September 1954 ĂŒber die ostdeutsche Nudistenszene und die Konflikte berichtete,cite-ref-spiegel-28957366-110-0[110] sah die StaatsfĂŒhrung ihren internationalen Ruf gefĂ€hrdet und verhĂ€ngte ein vollstĂ€ndiges Nacktbadeverbot an der gesamten OstseekĂŒste. Auf diesen Entscheid regte sich nunmehr noch grĂ¶ĂŸerer Widerstand, zahlreiche Eingaben, Forderungsschreiben an politische FĂŒhrung der DDR, die binnen Monatsfrist zu beantworten waren und Ă€hnlich wie das Petitionsrecht fungierten, Protestbriefe und öffentliche Aufrufe folgten, bis die DDR-FĂŒhrung das Verbot 1956 wieder zurĂŒcknahm. Es folgte die „Anordnung zur Regelung des Freibadwesens“, wonach ein Baden ohne Schwimmbekleidung an Orten, zu denen jedermann Zutritt hat, dann gestattet sei, wenn diese Orte als ausdrĂŒcklich dafĂŒr von den zustĂ€ndigen örtlichen RĂ€ten freigegeben und entsprechend gekennzeichnet sind.

Das öffentliche Nacktbaden hatte nun in dafĂŒr ausgewiesenen Zonen volle LegalitĂ€t und entwickelte sich spĂ€testens mit der zunehmenden Liberalisierung der Gesellschaft ab den 1970er Jahren zur Massenbewegung.cite-ref-spon-947073-86-1[86]

Die starke Verbreitung von Nacktheit, die nicht zwingend der Freikörperkultur zuzurechnen war, wird bisweilen auch darauf zurĂŒckgefĂŒhrt, dass sie in der DDR auch ein Ausdrucksmittel fĂŒr politischen Protest war. Mit der Wiedervereinigung ist diese Motivation fĂŒr das Nacktsein entfallen. Gleichwohl ist dort die Anzahl der Nackt-Bademöglichkeiten und FKK-CampingplĂ€tze fĂŒr jedermann signifikant groß geblieben.

In 1982 erschien erstmals in der DDR unter dem Titel Baden ohne – FKK zwischen Mövenort und Talsperre Pöhl ein ReisefĂŒhrer zu ausgewĂ€hlten FKK-StrĂ€nden und CampingplĂ€tzen mit FKK-Gelegenheit.cite-ref-111[111]

FKK in der Bundesrepublik Deutschland

Ein auf die Westzonen beschrĂ€nkter Deutscher Verband fĂŒr Freikörperkultur grĂŒndete sich bereits 1949 wieder. In der frĂŒhen Bundesrepublik gab es Probleme mit dem Jugendschutzgesetz, weil die Zeitschriften der FKK-Bewegung 1953 als jugendgefĂ€hrdend eingestuft wurden. Ebenso 1953 wurde in Hannover unter dem Einfluss der Jugendbewegung die fkk-jugend gegrĂŒndet. Ihr ursprĂŒnglicher, vollstĂ€ndiger Name „fkk-jugend – Bund der Lichtscharen“ zeigt die fortdauernde ideologische Orientierung von Teilen der deutschen FKK-Bewegung in den 1950er Jahren. Nachdem um 1950 die ersten FKK-Urlaubsanlagen entstanden (1949/50 Centre-HĂ©lio-Marin in Montalivet-les-Bains, SĂŒdfrankreich), nahm die allgemeine Tabuisierung des Nacktseins ab. Gleichzeitig wurde die Nacktkultur noch 1955 als „Symptom (
) einer erkrankten Zivilisation“ bezeichnet.cite-ref-112[112]

Ab Mitte der 1960er Jahre kam es zu einem starken Aufschwung des Naturismus, die Mitgliederzahlen der Vereine nahmen sprunghaft zu. Besondere PopularitĂ€t erlangte durch Berichterstattung in den Medien der Nacktbadestrand bei Kampen auf Sylt. Nackt-BadestrĂ€nde und -Urlaubsanlagen in Jugoslawien (heute Kroatien), Frankreich und an der OstseekĂŒste wurden zu beliebten Urlaubszielen und im ReisebĂŒro buchbar.cite-ref-113[113] Der Aufschwung der „Freiheit zum Nacktsein“ ging zeitlich mit der gesellschaftlichen Liberalisierung der 68er-Bewegung einher. Ende der 1960er Jahre wurde die Nacktheit ein selbstverstĂ€ndliches Ausdrucksmittel etwa des Theaters und der Aktionskunst. Auch diese kulturelle Entwicklung spiegelt die zunehmende Besinnung der Menschen auf ihre Freiheitsrechte und die Ablehnung der von Staat oder Kirchen gesetzten Normen. Ein wenig wirkte auch das Vorbild der BadestrĂ€nde Jugoslawiens und der DDR, deren FreizĂŒgigkeit durch Besuche allgemein bekannt war.

Ab dem Jahr 1979/80 sorgten die „Nackerten“ vom Englischen Garten in MĂŒnchen fĂŒr Aufsehen. Immer öfter nutzten in den Sommermonaten MĂŒnchner aller Altersgruppen den zentral gelegenen Ort, um nackt zu sonnen oder im Eisbach zu schwimmen.cite-ref-114[114] Nach kurzen und eher halbherzigen Versuchen der MĂŒnchner Stadtverwaltung und Polizei, den spontanen Naturismus zu unterbinden, wurde das Nacktsein in zwei recht großen Bereichen des Englischen Gartens offiziell erlaubt. Der Englische Garten wurde damit zum weltweit ersten frei zugĂ€nglichen (und auch nicht durch Sichtschutz abgegrenzten) innerstĂ€dtischen Nackterholungsgebiet. Es folgten Ă€hnliche Bereiche an Berliner Seen (Badewiese Halensee) und eine starke Zunahme inoffizieller, aber geduldeter Nacktbademöglichkeiten an Seen, StrĂ€nden und FlĂŒssen. Auch die spontane Nacktheit etwa auf Rockkonzerten und Festivals (Roskilde, Burning Man, Nambassa u. a.) nahm zu. Mehrere Reiseanbieter gingen dazu ĂŒber, ihre Nackturlaubsangebote nicht mehr separat zu prĂ€sentieren, sondern sie in ihre allgemeinen Kataloge zu integrieren; Ă€hnlich verfuhren die Verleger von CampingfĂŒhrern.

Parallel mit dieser weitgehenden Enttabuisierung wurde es fĂŒr FKK-Vereine immer schwieriger, Mitglieder zu werben. Die Möglichkeit zur gemeinschaftlichen Nacktheit reichte als einziger oder auch nur primĂ€rer Vereinszweck immer weniger aus. Die Zahl der FKK-Vereinsmitglieder sank von etwa 150.000 Anfang der siebziger Jahre auf etwa 60.000 Ende der Neunziger.cite-ref-spon-110106-115-0[115]

Formen und Verbreitung von Nacktheit in der Gegenwart

An FKK-StrĂ€nden, Badestellen und Liegewiesen sowie auf einigen Festivals und Veranstaltungen ist die Bekleidung freiwillig, es sind unbekleidete und bekleidete Personen gleichermaßen erwĂŒnscht. In FKK-Vereinen und auch auf einigen FKK-CampingplĂ€tzen und Ferienanlagen wird vollstĂ€ndige Nacktheit mitunter auch erwartet, sofern das Wetter es zulĂ€sst.

Diese Regel wird unterschiedlich rigoros angewendet und ist manchmal eine Quelle der Kontroverse unter einigen Naturisten. Das Personal einer FKK-Einrichtung muss in der Regel aufgrund von Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften bekleidet sein.

Nacktheit am Strand

Die wohl hĂ€ufigste Form der „FKK“ genannten Nacktheit ist das Nacktbaden bzw. Sonnenbaden am Strand. Sie findet statt an den von Behörden als Nacktbadebereiche, meist „FKK-Strand“ genannten StrĂ€nden und Flussufern, aber auch außerhalb dieser Bereiche.cite-ref-116[116]

Diese „FKK-StrĂ€nde“ sind in der Regel frei zugĂ€nglich; das Baden mit Badebekleidung wird in der Regel geduldet. Bei StrĂ€nden, die zugangsbeschrĂ€nkt sind bzw. von Vereinen verwaltet werden, ist Badebekleidung meist unerwĂŒnscht. Das Nacktbaden außerhalb von offiziellen FKK-StrĂ€nden ist im deutschsprachigen Raum weitestgehend toleriert, in vielen anderen LĂ€ndern jedoch per Gesetz verboten.

FKK im Verein

FKK-Vereine haben in der Regel ein VereinsgelĂ€nde, oftmals an Badeseen gelegen. Es sind gemeinschaftlich genutzte Sportanlagen, Liegewiesen und RĂ€ume fĂŒr Veranstaltungen vorhanden. Mitunter können Mitglieder auf dem GelĂ€nde FerienhĂ€user pachten oder es sind andere Übernachtungsmöglichkeiten gegeben. Vereine werden von Mitgliedern nach demokratischen GrundsĂ€tzen oder von einem oder mehreren EigentĂŒmern gefĂŒhrt, die Regeln und Satzungen festlegen. In beiden FĂ€llen können sie die Mitgliedschaftskriterien und die Pflichten der Mitglieder festlegen. Dies beinhaltet in der Regel die gemeinsame Nutzung der Arbeiten, die fĂŒr die Pflege oder Entwicklung des VereinsgelĂ€ndes erforderlich sind.

Da Nacktheit am Strand vielerorts auch außerhalb ausgewiesener FKK-Abschnitte toleriert wird und auch außerhalb von VereinsgelĂ€nden nackte Freizeitgestaltung praktiziert werden kann, geht seit Jahrzehnten die Zahl der in Vereinen organisierten Naturisten in Deutschland stark zurĂŒck. Der DFK-PrĂ€sident Lothar Wilhelm verwies 1963 auf den „erschĂŒtternd“ geringen Mitgliederzuwachs (2 %) bei gleichzeitig ĂŒber eine Million nacktbadender UrlaubsgĂ€ste. Dabei stellte er heraus, dass die Bezichtigung der Unmoral durch den Volkswartbund faktisch ĂŒberholt sei. Hinsichtlich der vermehrten Mitgliedergewinnung regte er an, auch „Nur-Nacktbader“ in die Vereine aufzunehmen und sie an die Lebensart der FKK heran zu fĂŒhren. Hinsichtlich Tabak- und Alkoholgenuss sowie strengem vegetarischem Leben plĂ€dierte er fĂŒr mehr Toleranz.

Laut Kurt Fischer, dem PrĂ€sidenten des Deutschen Verbandes fĂŒr Freikörperkultur (DFK), hatten die Vereine in 2008 45.000 Mitglieder; zu den AnhĂ€ngern des nackten Badens zĂ€hlen zirka sieben Millionen Deutsche.cite-ref-welt-2102082-117-0[117]cite-ref-118[118]

Der Umfang des organisierten FKK-Lebens in Vereinen ist in den letzten Jahren ebenso stark zurĂŒckgegangen, da auch hier der Nachwuchs ausbleibt. Ein Grund mag darin liegen, dass inzwischen das Nackterholen an StrĂ€nden, auf CampingplĂ€tzen, in Saunaanlagencite-ref-119[119] von HallenbĂ€dern und in ThermalbĂ€dern sowie in Urlaubsanlagen weit verbreitet ist. Auch ist die Akzeptanz von Nacktheit in der Öffentlichkeit mittlerweile recht hoch, so dass es keine klare Notwendigkeit der Abgrenzung mehr gibt.cite-ref-120[120]

FKK-CampingplÀtze und Ferienanlagen

FKK-Ferienanlagen sind Einrichtungen, die sich auf die Bereitstellung von Appartements, Chalets und Campingmöglichkeiten fĂŒr Urlauber spezialisiert haben. Sie werden kommerziell betrieben. Die GĂ€ste sind keine Mitglieder und haben grundsĂ€tzlich kein Mitspracherecht. Einige Ferienanlagen verlangen gegebenenfalls abhĂ€ngig von der Jahreszeit von den Besuchern den Besitz einer INF-Karte, d. h., Mitglied einer nationalen Organisation zu sein.

In großen Ferienanlagen gibt es SchwimmbĂ€der, SportplĂ€tze, ein Unterhaltungsprogramm, Kinderclubs, Restaurants und SupermĂ€rkte. Einige Ferienanlagen bieten den regelmĂ€ĂŸigen Besuchern die Möglichkeit, ihre eigenen Chalets zu kaufen, und oft kommen jedes Jahr Generationen derselben Familien. Ferienanlagen sind gegenĂŒber Kleidung oft toleranter als Vereine; gemeinsame umfassende Nacktheit wird grundsĂ€tzlich erwartet. Nacktheit ist in den SchwimmbĂ€dern Pflicht und kann an den StrĂ€nden, beim Sport oder in den Restaurants erwĂŒnscht sein.

In Europa sind FKK-Ferienanlagen ĂŒberwiegend im Mittelmeerraum, insbesondere in Kroatien und Frankreich, sowie an der französischen AtlantikkĂŒste verbreitet.cite-ref-121[121]

Nacktsport

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Nacktsport

FKK-Vereine und Ferienanlagen bieten traditionell die Möglichkeit, nackt zu schwimmen.

Volleyball wurde frĂŒhzeitig im spĂ€ten 19. Jahrhundert in die Freikörperkultur integriert. In den 1960er Jahren war ein Volleyballplatz in fast allen Vereinen zu finden. Ein Volleyballfeld beanspruchte nicht viel Platz, gleichzeitig sind viele Leute einbezogen, und es ist nicht viel an AusrĂŒstung erforderlich.

Zunehmend werden außerhalb von FKK-Anlagen ĂŒber Internet-Foren NacktivitĂ€ten organisiert wie Nacktwander- und Nacktradeltouren, Nacktrudern oder Nacktreiten.cite-ref-122[122] Mehrmals wurde ein „Internationaler Naturistenlauf“ an der Ostsee veranstaltet. Nur Laufschuhe, Socken, Kopfbedeckung und fĂŒr Frauen ein Sport-BH waren erlaubt. 2016 nahmen 208 LĂ€ufer teil.cite-ref-123[123] Auch andere FKK-Vereine organisieren Ă€hnliche Veranstaltungen.cite-ref-124[124] Im Jahr 2009 wurde in Braunlage im Harz der erste „Nacktrodelwettbewerb“ ausgetragencite-ref-focus-378320-125-0[125] und 2010 wiederholt. Seit den 1990er Jahren finden regelmĂ€ĂŸig in zahlreichen LĂ€ndern mit dem World Naked Bike Ride organisierte Nackt-Fahrradtouren statt.

FĂŒr das Nacktwandern (franz. Randonue) wurde vom Harzer Verkehrsverband (HVV) der Harzer Naturistenstieg nahe Dankerodecite-ref-126[126] freigegebencite-ref-spon-579737-127-0[127] und 2010 eröffnet.cite-ref-128[128] In der LĂŒneburger Heide wurde der Naturistenweg bei Undelohcite-ref-129[129] fĂŒr Nacktwanderer geschaffen.

Festivals

Auf vielen Musik- und Kunstfestivals wie dem Melt, der Fusion oder dem Roskilde-Festival ist Nacktheit normaler Bestandteil. Teilnehmer baden oder tanzen mitunter nackt, was von der Festivalleitung meist toleriert wird. Das Burning-Man-Festival wird von etlichen Teilnehmern nackt gefeiert.

Neben dieser spontanen Nacktheit existieren auch Festivals wie das Pashut Festival in Israel, die sich klar als FKK-Veranstaltungen sehen und Nacktheit ausdrĂŒcklich fordern.

Nackt-Paraden, -Fahrrad- und -Laufevents

Zahlreiche Paraden, Sportveranstaltungen und Events finden mit öffentlicher Nacktheit statt und scheinen mehr dem Nudismus als der Philosophie des Naturismus zu folgen. Denn meist steht dabei der Spaß und die Freude am Nacktsein im Vordergrund, so beispielsweise beim jĂ€hrlichen World Naked Gardening Day.cite-ref-130[130] DarĂŒber hinaus tragen einige dieser Veranstaltungen eine politische Botschaft beziehungsweise haben Protestcharakter. So hat der Tiger Streak den Anspruch, Aufmerksamkeit fĂŒr bedrohte Arten herzustellen. Der World Naked Bike Ride protestiert gegen die Benachteiligung von Radfahrern im Straßenverkehr. Die Normalisierung und erhöhte Akzeptanz von Nacktheit im öffentlichen Raum geht mit diesen Veranstaltungen einher.

Nackt-Lauf

Roskilde Naked Race

Auf dem Musikfestival Roskilde in DĂ€nemark hat sich inzwischen das vom Festival-Radio organisierte, alljĂ€hrliche Naked Race (dĂ€n.: nĂžgenlĂžbet) etabliert.cite-ref-131[131] Dabei treten ca. 30 der insgesamt 115.000 Festivalteilnehmer zu einem Nacktlauf an, bei dem der Gewinner ein Ticket fĂŒr das nĂ€chstjĂ€hrige Festival bekommt. Das Rennen hat inzwischen Kultstatus. Es hat reinen Spaßcharakter, die Gewinnerin des Jahres 2009 beschreibt die Erfahrung mit den Worten: “The best thing about being naked is that you transcend boundaries” (Das Beste am Nacktsein ist, Grenzen zu ĂŒberschreiten).cite-ref-132[132]cite-ref-133[133]

Naked Pumpkin Run

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Naked Pumpkin Run

Der Naked Pumpkin Run ist ein alljĂ€hrlich zu Halloween stattfindender Nacktlauf in verschiedenen StĂ€dten der Vereinigten Staaten. Er wird seit 1998 in mehreren großen StĂ€dten der USA durchgefĂŒhrt. Teilnehmer des Laufes tragen das typische Symbol fĂŒr Halloween, den ausgehöhlten KĂŒrbis, der auch namensgebend fĂŒr die Veranstaltung ist.

Tiger Streak

Der Tiger Streak wird von der Zoological Society of London organisiert und jĂ€hrlich im Londoner Zoo abgehalten. Der Nacktlauf hat den politischen Anspruch, auf den Artenschutz, insbesondere fĂŒr den Sumatratiger, aufmerksam zu machen. Viele Teilnehmer tragen Tigermasken oder Bodypaintings mit Tigerstreifen. Neben dem Benefiz- und Wettkampfaspekten steht der Spaß der Teilnehmer im Vordergrund.cite-ref-134[134]cite-ref-135[135]

Nakukymppi

Der Nakukymppi ist eine spielerische Laufveranstaltung in PĂ€ijĂ€t-HĂ€me, Finnland. Dabei werden 10 km zurĂŒckgelegt. Es wurde von der Gemeinde Padasjoki in der Provinz PĂ€ijĂ€t-HĂ€me betrieben. Die Veranstaltung ist jĂ€hrlich und lĂ€uft vor dem Morgen. Die erste Nakukymppi wurde 2003 durchgefĂŒhrt. Das Motto der Veranstaltung lautet „natural moving in nature“.

Nach den Regeln des Nakukymppi sollen die Teilnehmer nur Schuhe, Socken und Kopfbedeckungen tragen. Das Laufen findet im Wald statt und danach wird den Teilnehmern eine Sauna angeboten. Die Teilnahme ist kostenlos. Jeder Teilnehmer erhÀlt ein Diplom und die drei schnellsten Frauen und MÀnner erhalten ein Preisgeld.

Nackt-Fahrradtour

World Naked Bike Ride

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World Naked Bike Ride

Der World Naked Bike Ride (WNBR) ist gemĂ€ĂŸ Definition auf der Webseitecite-ref-136[136] eine internationale Protestveranstaltung mit Spaßcharakter gegen den Raumbedarf des Automobilverkehrs und dessen Gefahren. Der WNBR findet seit 2001 regelmĂ€ĂŸig jedes Jahr im Juni statt. Ausgetragen wird der WNBR in zahlreichen StĂ€dten weltweit, wobei der grĂ¶ĂŸte „ride“ in London stattfindet; die GrĂŒndungsstadt ist Saragossa in Spanien.

Dabei wird Wert auf Freiheit und OptionalitĂ€t gelegt. Das Fahrradfahren ist nicht verbindlich, ebenso sind andere nicht-motorisierte Teilnehmer wie Inliner, Skateboarder, FußgĂ€nger willkommen, ebenso ist Nacktheit fĂŒr die Teilnahme nicht verbindlich. Das Motto der Kleiderordnung lautet „bare as you dare“ (so nackt, wie du dich traust).

Die Botschaft liegt darin, sich frei und uneingeschrĂ€nkt im Straßenraum bewegen zu können, ohne die Rechte anderer einzuschrĂ€nken, und so zu einem positiven urbanen LebensgefĂŒhl beizutragen.cite-ref-137[137] Es soll wĂ€hrend der Fahrt eine lustige und eindringliche AtmosphĂ€re erzeugt werden, die die Aufmerksamkeit und Phantasie des Publikums und der Medien auf sich zieht und das Erlebnis fĂŒr die Fahrer persönlich macht. Jeder Teilnehmer soll sich selbst dabei so zum Ausdruck bringen, wie es ihm gefĂ€llt. Body Art, wie Bodypainting, sind gĂ€ngige Ausdrucksformen, aber auch KostĂŒme, KunstfahrrĂ€der, tragbare Beschallungssysteme (wie Beschallungsanlagen, Stierhörner und Boomboxen) und Musikinstrumente oder andere Arten von Instrumenten. Pre- und Post-Ride-Partys sind zu Events fĂŒr sich geworden, oft mit Musikgruppen, DJs, Bodypainting, temporĂ€ren Bauten/Installationskunst, politischen Aktionen und Catering.

Fremont Summer Solstice Parade

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Fremont Solstice Parade

In Seattles Stadtteil Fremont findet jĂ€hrlich zur Sommersonnenwende eine große Nackt-Parade statt, die Teilnehmer bewegen sich hauptsĂ€chlich auf FahrrĂ€dern, die sogenannten „Painted Cyclists“. Die Parade wird vom Fremont Arts Council organisiert.

Ähnlich wie beim WNBR stellt die Nacktheit der Teilnehmer ein Element dar, ist jedoch nicht verbindlich. Die Parade ist bekannt fĂŒr das hohe Ausmaß an Körperbemalung; die meisten der Teilnehmer sind mehr oder weniger bemalt. Die Fremont Summer Solstice Parade ist erklĂ€rtermaßen ein Straßenkarneval, vergleichbar mit dem Berliner Karneval der Kulturen. Der Spaß sowie der kunstvolle, kreative Ausdruck stehen hier im Vordergrund, wĂ€hrend der politische Anspruch geringer ausgeprĂ€gt ist. Teil der Veranstaltung sind oft ĂŒberlebensgroße Puppen, Wagen und StraßenkĂŒnstler.

Sonstige Formen öffentlicher Nacktheit

Nacktparties waren um 2007 ein aktueller Trend bei US-amerikanischen College-Studenten: Laut New York Times sei „es sehr hip geworden, dort hin zu gehen“.cite-ref-stern-579939-138-0[138]

Aus Äußerungen verschiedener Prominenter wurde FKK als „neuer Lifestyletrend“ abgeleitet; Shakira etwa gab sich als FKK-AnhĂ€ngerin auscite-ref-139[139] und Gwyneth Paltrow betreibe Nacktjoga.cite-ref-stern-140-0[140]

Von einem Reiseveranstalter wurden im Jahr 2008 Flugreisen angekĂŒndigt, auf denen man sich im Flugzeug nackt aufhalten könnte.cite-ref-stern-609300-141-0[141] Dieses Angebot wurde trotz großer Resonanz jedoch zurĂŒckgezogen.cite-ref-focus-303671-142-0[142]

Nacktsein in der Öffentlichkeit wird auch als Protesthaltung bei Demonstrationen eingesetzt (etwa gegen StudiengebĂŒhren, gegen die Globalisierung oder fĂŒr mehr Tierschutz). Jedoch ist hier ein Ă€hnlicher Effekt wie im Theater erkennbar: Das Ausdrucksmittel verliert durch AlltĂ€glichkeit an Kraft. Also muss wieder das Argument oder die schauspielerische Leistung ĂŒberzeugen. Die Nacktheit ist nicht mehr dominantes, sondern nur noch beilĂ€ufiges oder ergĂ€nzendes Ausdrucksmittel.

FKK-Zeitschriften

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Liste von FKK-Zeitschriften

Im deutschen Sprachraum entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts diverse FKK-Zeitschriften. Dem Inhalt nach sollten sie der Förderung der Freikörperkultur dienen, die insbesondere auch die Volksgesundheit in den Vordergrund stellte, etwa durch den bewussten Verzicht auf Alkohol, Tabakprodukte und Fleisch. Nach einem Unterbruch wÀhrend des Zweiten Weltkriegs erschienen diverse Zeitschriften zur Freikörperkultur erneut, teilweise mit wechselnden Namen, Herausgebern oder Verlagen. Die meisten Zeitschriften wurden jedoch vor Ende des 20. Jahrhunderts eingestellt.

Siehe auch

‱ Gymnophobie, Angst vor eigener und fremder Nacktheit
‱ Bara Bröst, ein feministisches AktionsbĂŒndnis in Schweden, das sich fĂŒr Gleichberechtigung bei Frauen bezĂŒglich freier Oberkörper einsetzt

Literatur

Aktuelle Übersichtswerke

‱ Michael Andritzky, Thomas Rautenberg (Hrsg.): „Wir sind nackt und nennen uns Du“. Von Lichtfreunden und SonnenkĂ€mpfern. Eine Geschichte der Freikörperkultur. Anabas-Verlag, Gießen 1989, ISBN 3-87038-142-6 (Kulturgeschichte der FKK-Bewegung von der Kaiserzeit bis in die 1970er).
‱ Volkmar Ellmauthaler: Nackt. Das Buch. 24 Versuche ĂŒber das NatĂŒrliche. edition L, Wien 2012, ISBN 978-3-902245-07-6. (444 Seiten, 65 Fotos, 7 Graphiken, 83 Literaturhinweise. Sachbuch)
‱ Achim Freudenstein: Jugenderziehung durch Freikörperkultur. Eine Dokumentation. 4. durchgesehene Auflage. Freudenstein, EdermĂŒnde 2005, ISBN 3-932435-17-6.
‱ Eberhard Garbe: NatĂŒrlich nackt – FKK und Akt in der DDR. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale), 2. Auflage 2016, ISBN 978-3-89812-849-0.
‱ Michael Grisko (Hrsg.): Freikörperkultur und Lebenswelt. Studien zur Vor- und FrĂŒhgeschichte der Freikörperkultur in Deutschland. Kassel University Press, Kassel 1999, ISBN 3-933146-06-2.
‱ Ernst Horst: Die Nackten & die Tobenden. FKK - Wie der freie Körper zum deutschen Kult wurde. Blessing, MĂŒnchen 2013, ISBN 3-89667-478-1.
‱ Arnd KrĂŒger: Zwischen Sex und Zuchtwahl. Nudismus und Naturismus in Deutschland und Amerika. In: Norbert Finzsch, Hermann Wellenreuther (Hrsg.): Liberalitas: Eine Festschrift fĂŒr Erich Angermann (= Transatlantische Studien. Bd. 1). Steiner Stuttgart 1992, ISBN 3-515-05656-4, S. 343–365.
‱ Thomas Kupfermann: Sommer, Sonne, Nackedeis. FKK in der DDR. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-359-01667-0.
‱ Maren Möhring: Marmorleiber. Körperbildung in der deutschen Nacktkultur (1890–1930) (= Kölner Historische Abhandlungen. Bd. 42). Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-14904-7 (Zugleich: MĂŒnchen, Univ., Diss., 2001: Nackte Marmorleiber und organische Maschinen.)
‱ Maren Möhring: Nacktheit und Leibeszucht. Die FKK-Praxis im Nationalsozialismus. In: Paula Diehl (Hrsg.): Körper im Nationalsozialismus. Bilder und Praxen. Fink u. a., MĂŒnchen u. a. 2006, ISBN 3-7705-4256-8, S. 211–228.
‱ Lutz Thormann: „Schont die Augen der Nation!“ Zum VerhĂ€ltnis von Nacktheit und Öffentlichkeit in der DDR. In: Ulrike HĂ€ußer, Marcus Merkel (Hrsg.): VergnĂŒgen in der DDR. Panama-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-938714-04-1, S. 385–404.
‱ Bernd Wedemeyer-Kolwe: „Der neue Mensch“. Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2004, ISBN 3-8260-2772-8 (Zugleich: Göttingen, Univ., Habil.-Schr., 2002).
‱ Ulrike Köpp: Nacktbaden. Technik des GlĂŒcks. Zur Freikörperkultur in der DDR. In: Sinn und Form 4/2020, S. 470–483.

Weblinks

‱ Literatur von und ĂŒber Freikörperkultur im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ nudeplaces.de
‱ Listen von FKK StrĂ€nden weltweit mit Beschreibungen, Fotos und KMZ-Karten [1] – www.nakedplaces.net (engl.)
‱ Interview mit dem Historiker Hans Bergemann ĂŒber die Geschichte der FKK in der Zeitschrift Der Freitag vom 19. Juli 2002
‱ Seite des Deutschen Tanzarchivs Köln zu FKK und Tanz (Anfang 20. Jh.)
‱ Daten und Fakten zur Geschichte der FKK
‱ Karl-Heinz Ignatz Kerscher: Vorlesung Freikörperkultur und Nackterziehung, LĂŒneburg, Online-Publikation 2006
‱ Linkkatalog zum Thema Freikörperkultur bei curlie.org (ehemals DMOZ)
‱ Nacktkultur, Lebensform, Körperkultur – neue Forschungsliteratur und Methodenfragen (Sammelrezension)
‱ Links und nackt – Geschichte der proletarischen FKK. einestages, 18. Oktober 2007
‱ Heiko Kreft; Nackt, frei, vegetarisch: Visionen vom radikal anderen Leben. am 27. Juni 2022 auf ndr.de

Einzelnachweise

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cite-note-west2018-22. ↑ West, K. (2018). Naked and unashamed: Investigations and applications of the effects of naturist activities on body image, self-esteem, and life satisfaction. Journal of Happiness Studies, 19(3), 677-697 doi:10.1007/s10902-017-9846-1
cite-note-33. ↑ Barcan, R. (2001). 'The Moral Bath of Bodily Unconsciousness': female nudism, bodily exposure and the gaze. Continuum: Journal of Media & Cultural Studies, 15(3), 303-317 doi:10.1080/10304310120086795
cite-note-smith-44. ↑ Smith, G., & King, M. (2009). Naturism and sexuality: Broadening our approach to sexual wellbeing. Health & place, 15(2), 439-446 doi:10.1016/j.healthplace.2008.08.002
cite-note-55. ↑ Nacktheit als Realisierung von Freiheit. Abgerufen am 11. September 2017.
cite-note-66. ↑ Obrador-Pons, P. (2007). A haptic geography of the beach: naked bodies, vision and touch. Social & Cultural Geography, 8(1), 123-141.doi:10.1080/14649360701251866
cite-note-g-rnicka-77. ↑ Górnicka, B. (2016). Nakedness, Shame, and Embarrassment: A Long-Term Sociological Perspective (Vol. 12). Springer doi:10.1007/978-3-658-15984-9 ISBN 978-3-658-15983-2.
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cite-note-99. ↑ Was ist FKK?
cite-note-1010. ↑ Nacktbadebereiche im Stadtgebiet MĂŒnchen
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